Wird wieder Zeit für einen Blogeintrag. Dieses Mal über meine Erfahrungen mit dem Fußball in Italien. Als ich erfahren habe, dass mein Auslandssemester nach Italien geht, habe ich mir sofort gedacht, dass ich die deutschen Stadien und Fußball vermissen werde. Und nicht, weil ich die italienische Liga gar nicht mag, sondern weil hier andere Regeln herrschen, die eine wie mich vom Fußball eher abschrecken.
Erstens, sind die Preise für die meisten Spiele sehr hoch. Schon für die Kurve muss du meistens mindestens 18 Euro ausgeben, für Spiele der 1.Kategorie sogar schon einen Zwanni... Ich muss ehrlich sagen, als Mädel habe ich mich in die Kurve nicht getraut, und 30 Euro für ein Spiel der Mannschaften, die ich gar nicht mag, wollte ich einfach nicht ausgeben. In die Kurve ist es auch nicht einfach zu gelangen, denn einige Klubs sind sehr streng und lassen dorthin nur die Anhänger mit sogenannten Tessera del Tifoso (Fanausweis) rein. Also, wurde aus meinem Besuch eines Seria A Spiels einfach nichts.
Dann, dachte ich mir, wenn schon mit dem Spielbesuch nicht geklappt hat, dann mach ich wieder bei einer Stadionführung wie in Mailand auf San Siro letzten Jahres mit. Da ich zum Zeitpunkt dieser Entscheidung in Rom war, wollte ich unbedingt Stadio Olimpico sehen. Dachste.. Wie es aussieht, kann man in Italien nur in zwei Stadien eine Stadiontour buchen - in San Siro und in Juventus Stadium. Olimpico wollte ich aber unbedingt sehen, somit habe ich mich auch so auf den Weg dorthin gemacht, um wenigstens den Koloss von außen zu betrachten.
Ich muss sagen, ich würde zu gerne sehen, wie das Stadion im Inneren aussieht, denn die Umgebung ist einfach wunderschön. Angefangen mit dem Foro Italico, einem Stadion mit Statuen, die die Provinzen in Italien in Form einer Sportart darstellen, in dem bis heute verschiedene Sportveranstaltungen durchgeführt werden. Zur Zeit meines Besuches haben sich um den Foro und auch in dem Stadion selbst viele sportbegeisterte Italiener rumgetumelt und ihre sportlichen Übungen gemacht.
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| Foro Italico
Außerdem befindet sich auf dem Stadiongelände das Gebäude des Olympischen Komitees Italiens CONI.
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| Das Gebäude des CONI |
Nachdem man das Haupttor zum Stadio Olimpico betritt, entfachtet sich dem Besucher ein schöner Blick über das Stadion, vor dem sich ein Brunnen befindet. Der Asphaltboden vor dem Stadion ist mit Olympischen Zeichen und Figuren geschmückt. Sieht echt sehr nett aus.
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| Stadio Olimpico |
Am Eingang zu den Büroflächen saß ein Ordner, den wir vorsichtshalber noch gefragt haben, ob es stimmt, das man in das Stadion an normalen Tagen nicht gelangt. Der böse Blick dessen sagte eigentlich schon alles, wir waren wohl nicht die ersten, die an diesem Tag dasselbe gefragt haben. Also, musste ich mich auch nur mit der Besichtigung des Äußeren begnügen.
Fußball live
Fußball live zu erleben ist mir in Rimini gelungen. Einer meiner Studienkommilitonen macht zur Zeit bei Rimini Calcio sein Praktikum und hat mir dann vorgeschlagen, ein Spiel der Mannschaft zu besuchen.
Nachdem das eine Spiel, an dem geplant war, dass ich komme, wegen des tragischen Ereignisses im italienischen Fußball abgesagt worden war, habe ich beschlossen das Spiel Rimini gegen Cuneo der Lega Pro zu besuchen.
Vorher habe ich mich bei meinem Kommilitonen erkundigt, wann man zum Spiel vorher kommen soll, wann der Einlass ist. Und war ganz erstaunt, als er gesagt hat: "20 Minuten vor dem Spielbeginn reichen. Es gibt nichts besonderes um das Spiel herum". Spielen in der Lega Pro in Italien ist wohl ganz tote Sache für das Publikum.
Das Stadion selbst war nicht schwer zu finden, auch wenn die ins Stadion strömenden Menschenmassen, an die ich in Deutschland gewöhnt bin, absolut fehlten. Wer aber ein schönes Stadion erwartet hat, wird, so wie ich, enttäuscht sein. Um das ganze Stadion führt eine dicke Gitter, die das Äußere sehr trübt. Einzig der Eingang zur Haupttribüne macht das Stadion zum Stadion.
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| Eingang zur Haupttribüne |
Ich hatte eine Karte für die Haupttribüne erhalten, somit war das auch mein Eingang. Als der Ordner meine Amateur-DSLR sah, fragte er, ob ich Photografin bin. Habe ich dann vorsichtshalber mit "Praktikantin" beantwortet, und war reingelassen worden. Sofort beim Eingang gelingt man zur Tür zum improvisierten Hospitality-Bereich, am Eingang stehen die Hostessen, die verschiedene Flyer und Spielprogramme und Statistiken verteilen.
Das Spielfeld trennen von den Tribünen dicke Plexiglasscheiben, die schon lange nicht mehr geputzt waren.
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| Scheiben und Gitter vor dem Spielfeld |
Wie mir mein Studienkollege erzählt hat, hat Rimini früher gehofft, das man ein neues Stadion baut, die Stadt hatte aber nie Geld dazu.
Das Spiel selbst war recht unterhaltsam, für Rimini ging es noch in dieser Zeit um den Aufstieg. Abgesehen davon, dass es ein Mittwoch war, kamen recht viele Leute ins Stadion, was sicherlich auch dem guten Wetter geschuldet war. Am Ende haben die Riminesen das Spiel für sich entschieden.
Was ich schon bei meinem letzten Beitrag hier im Blog bemerkt habe, haben die Italiener ganz andere Fankultur. So viel Aggressivität auf den Rängen habe ich noch nie gesehen. An diesem Tag habe ich viele neue Schimpfwörter in mein Italienisch-Lexikon einfügen können, die von allen Seiten auf die Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Ordner das ganze Spiel lang gerichtet waren. Was mir positiv auffiel - die zentrale Tribüne, wo die ganzen VIPs und ältere Leute sitzen, unternimmt selbstständig Anfeuerungsversuche, singt Lieder und startet eine Laolawelle. Die Ultras waren irgendwie mit ihrem Eigenleben von der ganzen Masse getrennt und waren eher leise.
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| So sieht die Zentraltribüne aus. Die Italiener finden es nicht lustig fotografiert zu werden. |
Nach dem Spiel war ich wieder Zeuge eines Tumultes auf der Tribüne. Worum es ging, habe ich nicht sehr mitgekriegt, aus den einzelnen Wörtern, die ich gehört habe, die Masse hat einen Mann eines Manipulationsverdachts beschuldigt. Da habe ich wieder daran gedacht, dass es gut ist, dass ich mich alleine in die italienische Kurve nicht traue.
So sehen meine Erfahrungen mit dem Fußball in Italien aus. Werden sich bei der Gelegenheit sicherlich weiter erweitern, schade ist es aber, das die Saison schon vorbei ist.






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