Samstag, 5. Mai 2012

Besuch eines Basketball-Spiels in Italien

Einer der Kurse, die ich hier in Italien an der Universität Bologna besuche, ist Marketing und Organisation der Sportevents. Und durch Zufall, ist in diesem Semester einer der zwei Dozenten, die die Vorlesungen halten, Manager des Basketball-Klubs Fortitudo Conad Bologna, der zur Zeit in der 2 italienischen Liga spielt.
Conad Bologna




Hier kurz über den Klub:

Vollständiger Name: Fortitudo Pallacanestro Bologna S.S.D.a.R.L
Wurde im Jahre 1932 gegründet.
Die Vereinsfarben sind weiß und blau. Fortitudo ist der zweite Basketballklub in Bologna, der Erzrivale Virtus Bologna ist der bekanntere von den zwei.
In seiner Geschichte hat Fortitudo folgenden Titel gewonnen: scudetti (Meisterschaften), 1 Coppa Italia (Pokal), 2 Supercoppe (Superpokal) und 1 Coppa Italia LNP Serie A Dilettanti (Italienpokal der Serie A der Amateure).
2011 wurde der Sponsorname des Klubs zu Conad geändert, das eine Supermarktkette in Italien ist. 
Conad Bologna trägt seine Heimspiele in der Paladozza-Arena aus, die 5700 Zuschauer umfasst.

Im Rahmen unserer Veranstaltung, hat unser Dozent uns vorgeschlagen, ein Heimspiel seines Teams zu besuchen, um zu sehen, wie der Spieltag in Bologna organisiert wird. Man muss gar nicht sagen, wie ich von dieser Möglichkeit begeistert war, da die meisten Vorlesungen hier schon sehr theoretisch sind.


Wir haben das Spiel gegen Trenkwalder Regio Emilia ausgesucht, das so genannte Superderby, das sogar im Fernsehen übertragen war. Unser Dozent hat uns mit den VIP-Karten versorgt, somit konnten wir ganz gemütlich das Spiel aus der 2 Reihe einer Loge hinter einem der Körbe "hautnah" erleben. Und es war auch viel zu erleben, denn die Stimmung in diesem Spiel war grandios! Da ich schon einige Male beim Basketball in Deutschland war, konnte ich einigermaßen die Stimmung und Organisation vergleichen. Was aber sofort auffällt - der Chaos, wie überall im Leben in Italien. Man sieht sofort an der Organisation, dass es keine höchste Spielklasse ist, obwohl ich würde gerne schon ein Spiel der Serie A hier noch besuchen, schaffe es aber nicht mehr, da die Saison zu Ende ist. 

Zuerst wurden wir durch den Sportpalast geführt, wo uns gezeigt wurde, wie alles aufgebaut ist, wer was macht und wer welche Aufgaben hat. Da ich mich nicht so sehr mit Basketball beschäftige,  fiel mir auf, dass die Medien-Tribüne sich hinter einem der Körbe befindet, was ich ein wenig überraschend finde, da die Sicht auf das Spielfeld ja nicht ideal ist. 

Die VIP-Loge, die die teuersten Tickets des Palastes hat, befindet sich ohne Absperrung (!!) vor der Ultras-Tribüne der Heimfans. Das sowas gefährlich sein kann, haben wir selbst erlebt, da an diesem Spieltag in diese Loge ein gegnerischer Fan ein Ticket gekauft hat, und, wie die Italiener so sind, sehr emotional sein Team angefeuert hat. Am Ende (sein Team hat leider gewonnen), sind die Kinder-Ultras (die meisten wohl nicht älter als 12) auf ihn mit Beleidigungen und körperlichen Androhungen gestürmt, und der Einsatz des Sicherheits-Stewards war nötig.

Der Gästebereich ist auch nicht abgesichert. Nur 2 Stewards achten auf die Sicherheit in der Kurve. Manchmal passiert es, dass die Gästefans sich auf die Plätze der Dauerkarten-Besitzer näher zu dem Spielfeld setzen, diese Situation versuchen dann aber die Sicherheitsdienste zu regeln. 

Es muss auch erwähnt werden, dass die Ticktes insgesamt, meiner Meinung, für die 2. Liga zu hoch sind. Das billigste für die Ultras-Tribüne kostet 14 Euro normal, 7 Euro für Under 18 (kein Wunder, dass es sich so viele Kiddies im Block rumtummeln). Der teuerste Preis für die erste Reihe in der VIP-Loge kostet 70 Euro pro Spiel. Der Klub hinterlegt oft für seine Spieler einige VIP-Karten, die dann an der speziellen Kasse abgeholt werden können. Das führt manchmal zu Situationen, in denen fremde Leute unter dem Namen des Spielers an die Tickets kommen. Dasselbe ist schon, den Worten unseres Dozenten nach, auch mit den Gästelisten passiert. Man fragt sich nur, wieso prüfen die Kassen- und Listenleute die IDs nicht?

In der Pause durften wir auch in die Hospitality-Area, deren Lage im Stadion aber sehr ungünstig ist. Zum Beispiel, die VIPs auf einer der Tribüne müssen über das ganze Stadion laufen, um dorthin zu kommen. Die Area bedienen 2 Hostessen, noch zwei von denen sind am Spielfeld tätig und versorgen die VIPs und Journalisten mit den Statistiken des Spiels. 

Das Spiel selbst war ganz spannend, Bologna hat aber am Ende verloren, was zum Unmut über das strittige Pfeifen der Unparteiischen führte, die von allen Seiten angegriffen wurden (siehe das Bild).

Sponsoren-Gäste (!!) greifen den Schiedsrichter an
Nach dem Spiel, haben wir auch noch die Pressekonferenz der beiden Trainer besucht, die aber eigentlich nicht anders wie überall veranstaltet war. Das Desinteresse der Journalisten zum Spiel, die die Konferenz sichtlich ignorierten, war aber beeindruckend. 

Es war mein erster Besuch eines Sportevents in Italien, der mir einen kleinen Blick hinter die Kulissen der italienischen Sportwelt gegeben hat. Die nächsten Besuche werden sicherlich folgen!


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